Loch 2004 - Wir waren dabei!
Der Lehrplan für den Erdkundeunterricht der 11. Klasse beinhaltet neben Geologie und dem allgegenwärtigen Thema Klima auch das zugegeben interessante und schöne Kapitel "Böden" - sprich Dreck, aber sehr unterschiedlicher, eben spannender Dreck.
Nun sind Böden sicherlich allgegenwärtig, schließlich laufen wir täglich auf ihnen umher. Wer aber von uns die Radieschen schon einmal von unten gesehen hat, sprich sich im Erdreich bestens auskennt, der werfe den ersten Dreckklumpen. Kaum einer ist je weiter als bis in die Fleißige-Lieschen-Tiefe von vielleicht 15 cm in die Materie eingedrungen.
Unser Schulbuch nun vermittelt dem aufmerksamen Schüler, dass unsere schöne Braunerde jäh in etwa einem Meter Tiefe endet. Dort beginnt das anstehende Gestein und das Fleißige Lieschen hat schlechte Karten.
Jedoch Papier ist geduldig und alldieweil wir bekanntlich nicht nur aufmerksame, sondern vor allem auch kritische Schüler sind kann so eine Behauptung nicht einfach so im Raum stehen gelassen werden. Nur einen Meter tief soll unter uns das Gestein liegen? Manch einer hätte geglaubt, dass wir auf einer weit höheren Schicht inkommensurablen Drecks leben, voll von Dreischichttonmineralien und wertvollen Bodenorganismen.
Deshalb frisch ans Werk: wer Dreck sehen will, muss graben. Die Klasse 11b machte sich unter Leitung Herrn Czabons auf, dem Boden auf den Grund zu gehen. Auf einem Obstgrundstück eines Klassenkameraden fanden wir eine geeignete Stelle, den ersten Spatenstich zu vollziehen. Soweit war es ja noch einfach.
Doch sobald der humose, etwa 15cm tiefe A-Horizont den Schaufeln Platz gemacht hatte, ging es ans Eingemachte. Da wurde gepickelt und gekratzt, und nicht nur unsere Mädels machten zeitweilig schlapp.
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Die Herren der Schöpfung machen Pause ... |
... während die Damen noch gar nicht mit der Arbeit begonnen haben. |
Aber wir gaben nicht auf, zumal nach und nach Silberstreife in Form kleiner Sandsteinkörner und trotz starker Verwitterung noch als solche erkennbare Ex-Steinbrocken am (Achtung, welchen Erdkundelehrer zitiere ich, wenn ich sage) "furztrockenen" B-Horizont auftauchten. Und so gruben wir und gruben wir ...
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Chrissi schürft tief ... |
... und Nadine läuft schließlich auf Grund. |
... und stießen in 1,20m Tiefe auf - leider nicht Öl, wie unsere von den Sparmaßnahmen gebeutelte Schulleitung sich vielleicht bei der Genehmigung des "Lerngangs" erhofft hatte - sondern nur auf anstehendes Gestein. Bunter Mergel. Sprich grau-grüner Dreck. Aber auch das war für uns ein großes Erfolgserlebnis, zumal ein über ein Meter tiefes Loch doch ganz nett ist.
Wir versenkten noch unsere ganz persönlichen Schätze darin, skizzierten den Horizontverlauf und schütteten die Grube wieder zu.
Wer wirklich ein lebendiges Verhältnis zu Mutter Erde aufnehmen will, der darf sich nicht auf die Lektüre beschränken. Man muss dabeigewesen sein, um den Dreck lieben zu lernen. Danke an alle!
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Das Loch mit 1,25m Tiefe im Profil |
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Zuletzt geändert: 13. Juli 2004